Die Schule - ein weibliches Biotop?
Umdenken an der Schule Beringen
Nach den Sommerferien hat das TAGS-Projekt „Geschlechtergerechte Schule“ begonnen. Am Montag, 8. September 2008 trafen sich alle Lehrer der Schule Beringen zu einer internen Weiterbildung.
Zum Start dieses Projektes haben wir den bekannten Kinder- und Jugendpsychologen Allan Guggenbühl eingeladen. Er wurde von seinem Assistenten Markus Dieth begleitet.
Das Thema des Referates: Die Schule ein weibliches Biotop?
Einige Fakten dazu:
- Ca. 60% der Mädchen schliessen die Kantonsschule mit der Matura ab, im Gegensatz zu ca. 40% der Jungs.
- Jungs verursachen häufiger Probleme in der Schule und sie werden häufiger bei wiederholtem Fehlverhalten von der Schule ausgeschlossen.
- Im Schulpsychologischen Dienst werden mehrheitlich Knaben, selten Mädchen betreut. Sie sind auch vermehrt in Therapien anzutreffen.
- Knaben zeigen ein anderes motorisches Verhalten, sie sind unruhiger, brauchen mehr Bewegung, wiederholen häufiger eine Klasse und haben auch öfters schon Probleme im Kindergarten. Gewalt und Aggressionen trifft man mehrheitlich bei Knaben an. Sie brauchen Selbstdarstellungsmöglichkeiten, sind weniger einsichtig oder schuldbewusst bei Fehlverhalten.
- Das Gesprächsverhalten bei Mädchen und Knaben ist unterschiedlich. Knaben sind sozial nicht so zugänglich.
- Knaben suchen die Kontakte über gemeinsame Interessen/Objekte, mit coolen Sprüchen (Provokationen) versuchen sie herauszufinden, welche Position ihr Gegenüber hat oder wo sie in der Hierarchie stehen. Dies geschieht auch über Kämpfe. Solche Provokationen sind also nicht böse gemeint und sollten daher mit Gelassenheit und Humor erwidert werden.
- Mädchen suchen im Gruppenverhalten den persönlichen Austausch, sie brauchen persönliche Beziehungen. Freundschaften werden gepflegt. Mädchen sind eher anpassungsfähig.
- Frauen verwenden die Beziehungssprache, ihr Wortschatz für den Alltag ist grösser, als derjenige der Männer.
- Männer haben in etwa den gleich grossen Wortschatz, dieser ist im Allgemeinen eher themenorientiert und darum im Alltag nicht so einsetzbar. Dies führt dazu, dass Männer oder auch Jungs wortkarger erscheinen.
- Jungs oder Männer sind eher objektorientiert. Sie zeigen ihre Gefühle über Handlungen und haben Freude am Experimentieren. Kontakte müssen über diese Interessensgebiete gemacht werden.
So werden auch Jungs gesprächig und sie können eine Beziehung zu ihrem Gegenüber herstellen.
Jungs sind leicht ablenkbar, brauchen konkrete Arbeitsanweisungen und klare Regeln. Der Frontalunterricht kommt ihnen deshalb als Unterrichtsform entgegen. Mädchen arbeiten in Gruppen zuverlässiger und befolgen Aufträge genauer.
- Jungs neigen zur Selbstüberschätzung, was in Wettbewerbssituationen genutzt werden kann. Mädchen hingegen stellen ihr Licht gerne unter den Scheffel und müssen ermuntert werden.
All diese Erkenntnisse könnten jetzt vermuten lassen, dass Sozialkompetenz weibliches Verhalten ist. Dem ist nicht so!! Jungs verhalten sich schlichtwegs anders!
Es liegt nicht an uns, das typische Verhalten der Mädchen oder Jungs zu werten, sondern die Unterschiede zu erkennen und entsprechend darauf einzugehen.
Vertiefung des Themas in Gruppen
Anhand verschiedener Fallbeispiele diskutierten die Lehrer eingeteilt in Interessengruppen Probleme und Lösungsansätze.
Ausserdem bekamen sie von den Experten noch einige Hinweise für den Umgang mit Knaben und Mädchen.
Praktische Umsetzung
Die Lehrpersonen werden nun vermehrt diese Erkenntnisse umsetzen und ihren Unterricht geschlechtsgerechter gestalten. Nach Stufen unterteilt bekamen sie Aufträge, um das Gehörte in die Praxis umzusetzen.
Dies kann durchaus heissen, dass Mädchen und Jungs einmal getrennt unterrichtet werden oder unterschiedliche Themen zu bearbeiten haben. Oder dass Jungs vermehrt im Frontalunterricht gefördert werden und ab und zu einen interessensorientierten Unterricht gestalten dürfen. Gerade in Sprachfächern gibt es viele Möglichkeiten die Themen den Geschlechtern anzupassen und nach deren Interessen zu unterrichten.
Am Anfang der Schulzeit gehen Mädchen und Knaben gleich gerne zur Schule. Dies ändert sich im Laufe der Schulzeit vor allem bei den Knaben.
Die Schule Beringen möchte dazu beitragen, dass dies nicht so bleibt, wir wollen Mädchen und Jungs gleichermassen fördern.Dies gelingt nicht von einem Tag auf den anderen, aber wir wollen einen Schritt in die richtige Richtung tun.
Buchtipps:
A. Guggenbühl: Kleine Machos in der Krise; Herder Verlag, 2006
A. Guggenbühl: Pubertät- echt ätzend- Gelassen durch die schwierigen Jahre; Herder spektrum, 2007
TAGS: B. Bosshart